Briefwechsel Johann Leonhard Rost


Kurzinformation zum Brief
Autor Rost, Johann Leonhard (1688-1727)
Empfänger Kirch, Christfried (1694-1740)
Ort Nürnberg
Datum 24. Dezember 1718
Signatur UB Basel: L Ia 720, Bl. 47r-50v
Zustand Bl. 48v ist am rechten Rand umgeschlagen und verdeckt einzelne Buchstaben, die sinngemäß ergänzt wurden.
Transkription Hans Gaab, Fürth

HochEdler und Hochgelahrter
  Hochgeehrtester Herr und
   Wehrtgeschätzter Gönner.

Ew. HochEdl. haben mich durch Dero letzte Zuschrift: wovon der Einschluß gleich richtig bestellet, dergestalt obligiret, daß die Worte nicht zureichen, Ihnen genugsamen Danck dafür abzustatten; in maßen Sie ohne einige Verstellung dargetahn, daß Sie es aus Hertzens-Grunde aufrichtig mit mir meinen; weil Sie mir nicht nur meine begangene Irrthümer endecket: sondern mir auch zur Verbeßerung solcher fehler, mit einem hinlänglichen Unterricht, an die Hand gegangen. Ich sehe nicht, wie ich solches ungefärbte Wolmeinen, sattsam vergelten kan. Verbleibe dahero ein beständiger Schuldner: und verpflichte mich bey allen Gelegenheiten darzutuhn, daß Ihnen hinwiederum alle ersinnlichen Gegengefälligkeiten zu erweisen, begierig bin.   Was nun die Sache selber anbetrift: so will ich das unverdiente Lob, so Sie meiner Arbeit beygeleget, mit Stilleschweigen vorbey gehen, weil ich es nicht würdig bin. Ist was gutes und nützliches darinnen: so sey Gott allein die Ehre dafür gewidmet. Habe ich aber geirret und in einem und dem andern angestoßen, so bin ich dadurch verhofentlich bey vernünftigen Leuten vor entschuldiget zu halten, daß ich dieses Buch nicht aus Ehr-Geitz oder eigenem Antrieb: sondern beynahe gezwungen zum Druck befördert, und mein Lebtag keinen Lehrmeister gehabt,[1] der mich in einer so schweren Wissenschaft, mündlich unterrichtet hätte: dahero es wol vor eine menschliche Schwachheit zu halten, wenn mein eigenes Nachdencken sich verirret, übereilet, oder mit einem Wort, von dem Weg der Wahrheit, abgewichen. Es ist mir unterdeßen solches gleichwol von Hertzen leid, und wenn sichs tuhn liese, wollte ich gewiß einen jeden Bogen, darauf einer von den angezeigten fehlern enthalten, auf meine eigenen Unkosten, umdrucken laßen, nur damit ich nicht verursachte, daß auch andre sich verstießen, welche sich nicht

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zu helfen wißen. Doch vielleicht findet sich ein Vortheil, daß ich meine gute Intention dennoch bewerkstelligen und das versäumte einbringen kan. Weil ich mir vorgenommen Ew. HochEdl. Brief von Stück zu Stück zu beantworten: so will ich denn

1.[2] ferner in meinem Vortrage fortfahren, und was die Elliptische Licht und Schatten Linie betrift, allhier melden, daß ich nach der Publication meines Buches, den darinnen begangenen Fehler erkandt, und solches den 29 Octob. an Herrn M. Gaupp,[3] nach Lindau berichtet. Die Manier eine Eclipsin zu reißen, deren ich mich bedienet, ist zwar von der Ihrigen unterschieden: allein sie läuft auf eines hinaus, und ziehe ich die Ihrige darum für, weil sie leichter zu bewerckstelligen. Durch diese Elliptische Linie, die Sie sonsten selber nur als ein circularem abgebildet, wird freylich ad oculum gewiesen, wo es komme, daß ante et post plenilunium,[4] dem Auge noch scheinet, als ob berechnete Linie, nicht aus den extremitatibus areos majoris,[5] sondern etwas niedriger ihren Ursprung nehme. Es ist dahero falsch was ich pag. 442. § 31 so wol hievon, als von der Kugel angeführet; welches letztere ich nicht hinschreiben sollen, wie ich es mir im Kopfe eingebildet: sondern ich hätte klüger gehandelt, wenn ich zuvor das Gleichniß durch die praxin untersuchet hätte: und will ich künftig meinen Einbildungen nicht mehr trauen, bis sie die Taht selber bestätiget.

2. An Ew. HochEdl. manier die Licht und Schatten Grentze ex observatonibus zu deduciren oder zu determiniren, [6] finde nichts erhebliches auszusetzen; zumal wenn man die von Papyr ausgeschnittene halbe Ellipsin, dem Punctis Observatis appliciret. Sie haben aber nicht unbillich gesetzet, man werde sie durch den genauern Situm der größern Axis also bald bekand kriegen. Denn daß man solcher Gestalt, die axin majorem exquisite finden könne? wird sich wol nicht so thun laßen, als man gerne wünschet, indem sich, zumal wenn axis minor nicht viel kleiner als axis major, manchmal in dem Confinio Lucis et umbrae,[7] solche maculae praesentiren, die sich mit dem Schematismo delineato, nicht füglich collationiren laßen. Unterdessen bin ich gleich wol der Meynung, man habe aus der besorgenden Unrichtigkeit, keinen erheblichen Fehler zu befürchten, weil man ihn aus den übrigen Observationibus, meisten theils ersetzen oder sich doch sonsten einiger maßen helfen kan.

3. Von der linea visa *ae bey einem transitu ☽ ist p. 459. §. 11 meine Meinung

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nicht gewesen, daß via *ae so mercklich ungleich gestaltet seyn müste, als linea centri Lunae, in meiner Eclipsi Solis. Ich redete nur comparative, und wolte sagen, gleich wie der ☽ bey einer ☉Finsterniß in transitu, keine lineam rectam formiret: also geschehe es auch bey seinen Conjunctionibus mit den Sternen, aber nicht eodem modu sed respectu motus irregularis praecipue parallaxeos, der sich allerdings bey angeregten ☌ibus, nicht wie bey ☉ finsternißen, praesentiren kan. Meine abgezielte Meinung, erhellet hieraus, da ich loco citato gleich hinzugefüget: Unterdeßen verschlägt es doch der Richtigkeit wenig, wenn man eine gerade Linie herausbringet pp. Welches ich nicht hätte schreiben können, wenn ich statuieret, daß via *ae so gar ungleich, als das centrum ☽ae in einer eclipsi ☉is, aus denen von Ihnen angeführten Ursachen zu erscheinen pfleget; Inzwischen wäre es gut, wenn ich mich auch hier deutlicher erklähret hätte.

4. Es fällt mir hier die Frage bey: ob in einem schematae ☌ vel transitus, nicht auch linea obitae Lunae füglich vorzustellen? Wenn Ew. HochEdl eine Methode bekand: würde es vor eine große Gefälligkeit aufnehmen, wenn Sie mir selbige bey gelegener Zeit hochgeneigt communiciren möchten.

5. Pag. 524, ist es ein offenbahrer fehler mit der differentia meridianorum Lutetiam inter et Berolinum.[8] Ich kan nicht begreifen wie dieser Irrthum zu gegangen; und höhne ich mich billig, daß ich nicht vorsichtiger gewesen; zumal da ich den Fehler gleich hernach wiederholet habe.

6. Doch dieses ginge noch mit. Pag 527 §. 37 in fine aber ist es eine unverantwortliche Sache, daß ich die Subtraction der Revolutionum, vor was geringfügiges ausgegeben. Wenn ich gleich sage, daß ich von jemand zu solchen Irrthum verleidet worden: so gereichet es mir doch zu keiner Entschuldigung, weil ich die Sache beßer untersuchen sollen, als ich es ohngefehr eine Woche vor dem Empfang Ihres Briefes gethan, da ich einige Eclipses berechnet habe. Die Augen gingen mir auf einmal auf: und hätte mich zu tode ärgern mögen, daß ich so leichtgläubig und dumm gewesen bin.

7. Occasione der Tabb. Cassini muß ich mich bey Ew. HochEdl. erkundigen, was er pag. 16, in der Tabula Revolutionum primi Satellitis ♃ in anno, in der vierten Columna, mit den Zahlen haben will, die mit dem Wort Variatio, bemercket

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seyn? Wo ich mich recht erinnere, beruft er sich in der Beschreibung nirgends darauf: und doch glaube ich, daß sie nicht vergebens da stehen. Bitte also wenn es Ihnen bekand, deßwegen um Erläuterung.

8. Ich komme itzt auf die kleinere distantias Hevelianas pag. 357, die Ew. HochEdl. nicht gar accurat zu seyn befunden haben, und einige zum Beweiß anführen. Ich bitte zum Allerhöchsten um Vergebung, wenn ich frage: ex quo fundamento Sie solches her geleitet? Sonder Zweifel aus dem Bericht des Micrometri. Wenn dem so ist, so glaube Ihnen gar gerne, wundere mich auch nicht darüber. Allein, ich will nicht des langen warten, was Sie mir antworten, wenn ich mir die Erlaubnis nehme zu sagen, daß man per Micrometron leichtlich einen fehler begehen kan. Ich habe bey einigen Wochen her, allerhand Gedancken von dem Micrometron gehabt. Theils wie deßen Gebrauch zu erleichtern, und dem verdrüßlichen Zehlen und dem herum drehen der Schrauben abzuhelfen: theils was die Beschaffenheit der damit gemeßenen distantien anbetrift. Das erste, glaube ich, sey ohne sonderliche Schwehrigkeit zu bewerckstelligen. Was aber die distantias selber anbelanget: so bin ich der Meinung, als ob sie einer 2 fachen correcton benöthiget wären. Die erste gründet sich auf die Auram refractivam, die jedoch etwan nicht allzu wichtig ist. Die andere hingegen beruhet auf der Refraction der Gläser in specie des oculars, zumal wenn es ziemlich convex. Ich habe wegen ermangelnder Gelegenheit noch kein examen anstellen können. Inzwischen bedüncket mich, als ob die distantien, welche man circa limbos des oculars gemeßen, mit denjenigen, so man circa centrum gefunden, schwerlich von einerlei Gleichheit seyn können. Die Ratio ist handgreiflich, weil sich die Objecta am Rande dilatiren; circa focum aber näher zusammen schieben. Solte diese Meinung, und andere bey dem Micrometro vorkommende Ungelegenheiten, ihre Richtigkeit haben: so wird sichs bald entscheiden, warum Ihre distantien von den Hevelianischen abweichen. Hat Hevelius ja gefehlet, so weis ich nicht, warum er sich in einigen distantiis um 3 biß 6 Minuten vergangen, da er doch mit übermenschlichem fleiß zu observiren pflegte. Doch irren ist menschlich, und ich will nicht so eigensinnig seyn, daß ich mich nicht eines beßern solte überweisen laßen. Weil Ew. HochEdl. ein erfahrener Practicus, will ich erwarten, was wieder meine Gedancken einzuwenden.

9. Wegen Erfindung des diamteri ☉ pag. 371 §. 39, mus ich zum Voraus setzen,

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daß daselbst ein Druckfehler, weil von 2.'14'' nach des Seel. Hl. Eimmarts Msct. 2.'4.''14''' stehen sollen; die nach meiner 11 Tabell, in partibus aequatoris 31.'3.''30''' geben. Warum der Herr Eimmart keine Correction appliciret? ist mir unbekand und stehet in seinem MSCT, kein Wort davon. Ich weis unterdeßen aus dem Ricciolo, Taquet[9] und anderen autoribus gar wol, daß nach Eimmarti Art, der Diameter ☉is eine Correction erfordert, wenn die ☉ außer dem Aequatore stehet, wie sie dann dazumal Declinationem maximam gehabt; allein unerachtet in meinem Manuscript. pag 371 in fine et pag 731 in princ.[10] auß erheblichen Ursachen gesetzet: so erlanget ihr, wenn die Sonne im Aequatore, den Diametrum Solis apparentem; das Exemplum Eimmarti aber mit allem fleiß unverändert gelaßen: so weis ich doch nicht, wer von denenjenigen, die das Manuscript vor der publication gesehen, berührte Exception durchstrichen. Wenn ich Ew. HochEdl. anvertraue, daß ich auf expresses begehren, sonst noch was hinweg tuhn müßen, das sich auf den Seel. Eimmart bezogen: so ist leicht zu erachten, warum es auch in diesem Fall geschehen, daß man einem von ihm begangenen Fehler, mir auf den Nacken gebürdet. Doch gestehe ich, daß ich das ausgestrichene, in gegenwärtiger Materie, gewiß wieder beygefüget, wenn es nicht vielleicht aus Versehen oder Eilfertigkeit geschehen, daß ich es bey der Correctur aus der Acht gelaßen. Weil ich durchaus nicht zugebe, daß man in der Astronomie ein Heuchler seyn: sondern ohne Ansehen der Person, die Warheit also reden soll, wie es die Sache selber, mit sich bringet. Inmittelst bin vor Ew. HochEdl. communicirte methode, den Diametrum Solis zu observiren, obligirt. Weil sie mir sehr wohl gefällt, und ich nichts daran auszusetzen finde: so will nicht ermangeln, mich derselben bey Gelegenheit, ebenmäßig zu bedienen.

10. Was Ew. HochEdl. von der Größe einer total Finsterniß p. 422 erwehnet: so erklähre ich allerdings dasiges praeceptum vor unrichtig, und will es verbeßern.

11. So will ich auch dasjenige nicht aus der Acht laßen, was Sie p. 458 von der proxima ☌ * et ☽ und von den distantia minima gesagt. Wegen der Schreib- und Truckfehler, mag ich keine Entschuldigung anführen. Hingegen mus ich melden

12. daß die Unvollkommenheit des Titels der 18 Tabell, von nichts anders, als einem Versehen in der Druckerey und Correctur herkommet; in maßen in meinem Manuscript finde, daß daselbst ausdrücklich stehet: welche auf gegenwärtiges Secu-

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lum, da das Apogaeum ☉is in 80 ♋ versiret, gerichtet ist; welche Worte auch in den Tabulis Carolinis[11] enthalten, daraus ich sie entlehnet habe.

Und so viel ist was auf Ew. HochEdl. Anmerckungen zu antworten, mich vor schuldig erachtet. Solten Sie künftig mehr Fehler finden, und mich dabey, wie Sie angefangen, eines beßeren zu unterrichten: so will es vor ein wahres Merckmal Ihrer beharrlichen Wohlgewogenheit aufnehmen: und die Verpflichtungen dafür, hier wiederholen, welche ich bereits oben angeführet.

13. Vor die Communication der ☌ ♃ et ♀[12] bin ich obligirt. Wenn ich die Observation des Herr Doct. u: Prof. Zumbachs[13] aus Cassel bekomme, will ich ebenfalls darmit aufwarten. Mein Bruder hat neulich zu Reichstadt in Böhmen ☌ ♂ et ♀[14] auch ♂ et η ♍,[15] deßgleichen occultationem ξ Ceti a ☽[16] observiret; welche observationes der Hl M. Gaupp seinem Calendario Astronomico einverleiben wird.

14. Vor die Nachricht von Herrn M. Rasten,[17] und vor die Übersendung seines Briefes, bedancke ich mich. Weil Ew. HochEdl. mir die Erlaubnis gegeben, die Antwort an Sie zu addressieren: so bin ich so frey, daß ich es hiemit verrichte. Ich habe indeßen

15. Herrn Wagners Observaton der ☽ Finsternis empfangen; wo aber die merckliche Differenz von der Ihrigen herrühret, weiß ich nicht füglich zu entscheiden. Es hat sich dergleichen Discrepanz schon auch bey der letzten Eclipsi ☉is ereignet, wie die gelehrten Zeitungen, bey Recensirung Seiner Observation, in den Actis Eruditorum angemercket.[18]

16. Nun komme ich in der Ordnung auf die Altitudines Solis Meridianas, die ich bißhero gerne, aus bekandten Ursachen, zur Befriedigung meiner Curosite gehabt hätte. Weil aber der Englische Quadrant, seine Dienste noch nicht tuht,[19] so mus ich mich gedulten biß auf eine andere Zeit. Ew. HochEdl wollen zwar die Berlinische Polus Höhe nicht viel über 52.0 30' statuiren; allein ich glaube, wenn Sie die Sache durch hinlängliche Instrumenta untersuchen, welche keine Correction, von Addirung oder Subtrahirung etlicher Minuten bedürfen: sondern wie der Quadrant des Hl von Wurtzelbau, auf ein Horarum zu richten: so dürfte sichs unfehlbar anderst weisen. Herr Wagner, hat mir neulich etliche Altitudines ☉ meridianas Solstitiales communiciret, woraus die Elevatio Polus biß auf 52.0 37' steiget. Nun wird sie wol so hoch nicht seyn; doch aber auch vielleicht von dem Medio, zwischen dieser und Ihrer Elevation, nicht viel abweichen; zumal wenn man des de la Hire, unrichtige Refractions Tabell nicht adhibiret.[20]

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17. Von der Declinatione Magnetis, habe nur einige Observationes angestellet, sonsten wolte damit ebenfalls dienen. Herr P. Doppelmajer, hat eine neue Invention, die Declination, wie er meint, fast gar in Secunden zu finden; davon er die erste Probe, in meiner Gegenwart, bey dem Herrn von Wurzelbau, abgeleget. Es wolte aber damal kein guth tuhn: dahero er das Experiment, vor sich allein, in seinem Garten,[21] machen muste. Weil er das Kunststück, seiner Gnomonic[22] einverleibet, die nächstens herauskommet: so stehet zu erwarten, was die Gelehrten davon halten werden.

Der Herr von Wurzelbau, läßet hinwiederum sein ergebenstes Compliment vermelden; dergleichen ich auch von dem Herrn M. Gauppen abzustatten. Ich soll Ihnen berichten, daß nächstens einige Exemplaria, von seinem Calendario Astronomico auf 1719[23] nachfolgen werden, die Ihnen, Herrn Wagner, und der Hochlöbl. Societaet, zugehören.

Itzt wird es nun mal Zeit seyn, daß ich schließe, weil ich ziemlich weitläuftig gewesen bin. Da Sie mir aber selbsten die Erlaubniß darzu verstattet: so hoffe daß Sie es um so viel weniger übel auf nehmen: sondern mein Ihnen ergebenstes Gemühte, daraus beurtheilen werden. Ich bitte nochmalen, wenn Sie weiter was irriges in meinem Astronomischen Hand-Buche finden, mir solches nicht zu verhelen, und mich auf den Weg der Warheit, anzuleiten. Solche Affection werde mit aller ersinnlichen Danckbarkeit erkennen: und Zeit Lebens mit unverfälschtem Hertzen verharren

Ew. HochEdl.

  Nürnberg.
d 24. Decemb. Ao. 1718.

ganztergebenster und
verbundenster diener.

Johann Leonhard Rost.

[Bl. 50v]

P.S.

18. Es hat mir Herr P. Doppelmayr gesagt, wie er gehöret, als ob des Seel. Herrn Vaters Portrait in Kupfer gestochen worden; weil er nun die Bildniße gelehrter Leute zu colligiren angefangen: als läßet er seine ergebenste Begrüßung vermelden: und zugleich bitten, ob Sie ihm nicht einmal bey guter Gelegenheit, einen Abdruck überschicken mögen? und wird er solche Gefälligkeit, in andere Wege, wieder zu verschulden trachten. An Hl Wagner bitte mein Compliment zu machen, und zu melden, daß nächsten Tagen mit Übersendung das Calendarii D.n Gauppii an Ihn schreiben werde; wie wol ich fast muthmaße daß er meinen Brief mit den Calendariis eher bekommt als Sie den gegenwärtigen; weil ihn mit einem Kaufmann absende, der ihn vielleicht mit eben solcher Gelegenheit, aus Leiptzig an Sie addressieren, und also selbigen etwas liegen laßen wird.


Fußnoten

  1. Ähnlich wie hier, schrieb Rost im Brief vom 1. Oktober 1718: "Weil ich niemal einen mündlichen Lehrmeister in der Astronomie gehabt: sondern alles aus eigenen Gedancken begriffen [...]". Laut Doppelmayrs Historischer Nachricht (1730, S. 151) soll Rost "dem Herrn Eimmarto in Praxi astronomica öffters einige Beyhülffe" geleistet haben. Als seinen Lehrer sah Rost Eimmart aber offensichtlich nicht an. Vgl. auch die entsprechende Bemerkung im Brief vom 20. Mai 1719.
  2. Die Zahlen am Rande wurden von anderer Hand eingefügt.
  3. Johannes Gaupp (1667-1738) war Pfarrer in Lindau, der aber vor allem als Astronom bekannt wurde. Er war einer der wichtigsten Briefpartner von Rost.
  4. ante et post plenilunium: vor und nach dem Vollmond.
  5. nicht aus den extremitatibus areos majoris: nicht aus den äßersten Grenzen der größeren Gebiete.
  6. ex observatonibus zu deduciren oder zu determiniren: aus den Beobachtungen abzuleiten oder festzulegen.
  7. Confinio Lucis et umbrae: Licht- und Schattengrenze.
  8. gemeint ist wohl: differentia meridianae inter Lutetiam et Berolinum, die Differenz der Meridiane von Paris und Berlin.
  9. Andre Tacquet (1612-1660) war ein flämischer Jesuit und Mathematiker. Seine Werke zur Astronomie sind in seinen Opera mathematica (Erstausgabe: Antwerpen: Meursius 1669) enthalten.
  10. pag 371 in fine et pag 731 in princ.[ipum]: S. 371 unten und S. 731 oben.
  11. Gemeint ist die Astronomia Carolina von Thomas Streete in der Übersetzung von Doppelmayr (Nürnberg: Otto 1705).
  12. Konjunktion von Saturn und Venus: Am 18. September 1718 standen die beiden Planeten nur 1,37' von einander entfernt.
  13. Lothar Zumbach von Koesfeld (1661-1727) war Professor für Mathematik in Kassel. In gleicher Position vorher in Leiden war er einer der Lehrer Doppelmayrs gewesen.
  14. Am 17. Oktober 1718 standen Venus und Mars nur 27,9' voneinander entfernt.
  15. Am 19. Oktober 1718 ging der Mars nahe am Stern η Vir vorbei.
  16. Am 5. November 1718 bedeckte der Mond den Stern ξ Cetus ungefär von halb zwei bis halb drei Uhr nachts.
  17. Georg Heinrich Rast (1595-1726) aus Königsberg war ein deutscher Astronom. Kirch hatte Rost Grüße von ihm ausgerichtet, und angeboten Briefe an ihn weiterzuleiten.
    ADB XXVII, 1888, S. 337f. (Autor: Sigmund Günther);
    Buck, Friedrich Johann: Lebens-Beschreibungen derer verstorbenen Preußischen Mathematiker. Königsberg, Leipzig: Hartung und Zeise, S. 155-158.
  18. Wagner, Johann Wilhelm: Observatio Eclipseos Solaris A. MDCXVIII d. 2. Martii St. c. mane in Observatorio Regio Berolini. Acta Eruditorum, Oktober 1718, S. 468-471.
    Die angeführte Besprechung dieser Observation findet sich in den Neuen Zeitungen von gelehrten Sachen, Nr. 81, 8. Oktober 1718, S. 646.
    Kirchs Beobachtung dieser Sonnenfinsternis findet sich in den Nova litteraria eruditorum in gratiam divulgata, 1718, S. 146-150.
    Wagners Beobachtung der Mondfinsternis vom 9. September 1718 findet sich in den:
    1) Bibliothecae Observationum ac Recensionum novissimae 1719, Sektion 4, S. 151-156
    2) Nova litteraria eruditorum in gratiam divulgata, 1719, S. 62-64.
    Kirchs Beobachtung der Mondfinsternis findet sich in den Nova litteraria eruditorum in gratiam divulgata, 1718, S. 246-250.
  19. Im Inventar der Berliner Sternwarte von 1725 ist aufgeführt:
    "1. Ein künstlicher in Engellandt verfertigter Quadrant im Radio bey 4 Fueß stehet in einen Gehäuse oben auf dem Altan.
    Hierzu gehöret ein Kästlein worinnen die Schlüßel, so zu diesen Quadranten gehören, verwahret werden, ingleichen ein paar dioptren die an diesen Quadranten appliciret werden können."
    Im Inventar von 1745 ist ein "Englischer quadrant" von "2½ Schuh im Radio" aufgeführt.
    Ein Quadrant von "2½ Fueß" mit "dioptris telescopicis" wird auch im Verzeichnis von 1725 aufgeführt, wird hier allerdings nicht als "englischer Quadrant" bezeichnet. Nachdem Rost im Brief vom April 1717 von einem kleinen Englischen Quadranten spricht, dürfte dieser zweite Quadrant gemeint sein.
    Vgl. Hamel, Jürgen: Die Instrumente der Berliner Sternwarte, 1700-1780. In: Hamel, Jürgen (Hrsg.): Gottfried Kirch (1639-1710) und die Berliner Astronomie im 18. Jahrhundert (= Acta Historica Astronomiae 41). Frankfurt a.M.: Harri Deutsch 2010, S. 65-11, hier S. 94, 99.
  20. Die Polhöhe Berlins wird heutzutage mit 52o 31' angegeben.
  21. Doppelmayr hatte einen Garten nordwestlich der Burg, die heutige Adresse wäre Lange Zeile 32/34.
  22. Doppelmayr, Johann Gabriel: Neue und gründliche Anweisung, wie nach einer universalen Methode grosse Sonnen-Uhren accurat zu beschreiben. Nürnberg: Spörlin, Weigel 1719. S. 21f. findet man darin die Die III. Aufgab. Die Abweichung des Magnets gantz genau auszufinden. Mit der vorgestellten Methode solle man die Deklination "in Secunden gantz leicht und nett" festlegen können.
  23. Johannes Gaupp gab ein Calendarium Astronomicum heraus (nachweisbar von 1715 bis 1718). Vgl. den Eintrag zu Gaupp im Biobibliographischen Handbuch der Kalendermacher von 1550 bis 1750.