Briefwechsel Johann Leonhard Rost


Kurzinformation zum Brief
Autor Rost, Johann Leonhard (1688-1727)
Empfänger Kirch, Christfried (1694-1740)
Ort Nürnberg
Datum 21.? Dezember 1725
Signatur UB Basel: L Ia 720, Bl. 133r-134r
Transkription Hans Gaab, Fürth

HochEdler, Vest und Hochgelahrter,
  Hochgeehrtester Herr,
   Hochgeschätzter Gönner.

Aus meinem letzten Brief, welchen Ew. HochEdl. durch die Hhl. Endters[1], entweder schon empfangen, oder doch nächster Tage kriegen werden, haben Sie zu erfahren, wie es mir in Nürnberg, bey der Ankunft des Hl. de l'Isle, ergangen ist; daß es nehmlich Neid und Mißgunst nicht erlaubet, aus seiner mündlichen Conversation zu profitiren.[2] Wie ich verwichenen Dienstag, eben im begriff war zu einem meiner Anverwandten zu verreißen, kam ein hiesiger Kauffmann und Liebhaber der Gelehrten zu mir, der, weil er mit Msr. de l'Isle bekand worden, mir offerirte, daß Er mir gleiche Ehre befördern wolle. Angesagter Reise halber

[Bl. 133v]
die sich nicht länger aufschieben ließ, konte ich sie nicht mehr acceptiren: herentgegen mußte ich bemeldten Kauffmann versprechen, vor Mrs. de l'Isle, ihm einen Brief auszufertigen, den Ew. HochEdl. Er in Berlin behändigen könte. Ob er Ms. de l'Isle noch antrift, mus die Zeit lehren. Bin ich aber so glücklich, daß Er ihn empfängt, so erfreue ich mich darüber, daß er die Ehre hat, Ew. HochEdl. von einem so berühmten Astronomo überreichet zu werden. Ich zweifele darneben nicht daran, Sie werden die Zeit in Seiner Unterhaltung, nicht übel zubringen, anerwogen obgedachter Kauffmann, seine Leutseligkeit, nicht genug gegen mich zu rühmen wuste. Füget es die Gelegenheit, daß auch meiner Wenigkeit gedacht wird: so ermangeln Sie nicht, mich auf das beste bey Mrs. de l'Isle zu recommendiren, damit ich etwan künftig, die Ehre seiner Correspondenz genießen kan, um daraus meine große Liebe vor

[Bl. 134r]
die Astronomie desto beßer zu befriedigen, und dasjenige einzubringen, was mir hier auf eine unverantwortliche Weise, entzogen worden. Im übrigen berichten Sie mich bald, was Sie gutes von Mrs. de l'Isle erfahren, und erlauben darneben, daß ich allezeit bin

Ew. HochEdl.

Erlang
  bey
Nürnberg
d. 21 Dec. 1725.

gantz ergebenster
diener.  

Joh. Leonhard Rost.


Fußnoten

  1. Die Endter waren eine bekannte Nürnberger Buchhändlerfamilie.
  2. Im Brief vom 22. Dezember 1725 erwähnt Rost im PS, dass Doppelmayr ihm vorenthalten hat, dass sich Delisle in der Stadt aufhielt. Dieser Brief ist aber eindeutig mit dem 21. Dezember datiert, hier muss also die Datierung durcheinander geraten sein. Handschriftlich findet sich entsprechend oben rechts auf Bl. 133r die Bemerkung: "Dieses Datum verträgt sich nicht mit dem nachfolgenden vom 22. Dec."
    Sinn macht eine Datierung auf den 31. Dezember 1725: Dann wäre es tatsächlich möglich, dass Kirch den vorhergehenden Brief schon empfangen hat. Zudem wäre der verwichene Dienstag der 25. Dezember. Am 1. Januar war Delisle bereits bei Johann Wilhelm Wagner in Hildburghausen, er ist also Ende Dezember abgereist, womit glaubwürdig ist, dass Rost keine Zeit mehr hatte, Delisle zu sehen. Wenn er ihm zudem einen Brief nach Berlin nachsendet, dürfte er Nürnberg bereits verlassen haben.