Briefwechsel Johann Leonhard Rost


Kurzinformation zum Brief
Autor Rost, Johann Leonhard (1688-1727)
Empfänger Kirch, Christfried (1694-1740)
Ort Nürnberg
Datum 26. Januar 1718
Signatur UB Basel: L Ia 720, Bl. 38r
Zustand Der Brief ist an der linken unteren Ecke eingerissen, die Originaldatierung ist damit nicht lesbar. Die Datierung wurde von anderer Hand rechts oben und rechts unten eingetragen, sie wurde hier sinngemäß ergänzt.
Transkription Hans Gaab, Fürth

HochEdler und Hochgelahrter
  Hochgeehrtester Herr.

Weil mir heute ein hiesiger Kaufmann, wißen laßen, daß er nach Berlin schreibe, u: mir einen Brief dahin einschließen wolte: konte ich nicht umhin dieser Gelegenheit mich zu bedienen, und Ew. HochEdl. zu melden, daß Dero angenehme Zeilen vom 6 Januarii den 21 hujus richtig empfangen. Ich dancke zu vörderst, vor die große Mühe, die Sie sich in dem Bericht, von dem methodo observat. macul. ☉arium[1] gegeben, und kan versichern, daß Sie mir so wol dadurch, als durch die communication einer so compendiösen machinae helioscopiae,[2] einen recht großen Gefallen erwiesen, den ich durch alle ersinnliche Gegen Dienste zu erwiedern, niemalen ermangeln will. Indeßen bedauere nur Dero Ubelaufseyn, und wünsche von Grunde der Seelen, daß der Allerhöchste Ew. HochEdl. die vorige Gesundheit, bald wieder vollkommen verleyhen, und Ihnen so wol in diesem, als vielen noch folgenden Jahren, samt dero lieben Frau Mutter, alle gesegnete Leibes und Seelen Zufriedenheiten, mir zum Vergnügen, und der Astronomie zum Nutzen, unverändert zueignen; dero Verrichtungen segnen, und Sie vor allen wiedrigen Begebenheiten, gnädiglich bewahren wolle. Mein letzter Brief, vom 22 Decemb.[3] wird verhoffentlich der Zeit, nebst dem beygefügten Calendario[4] bey Ihnen angelanget seyn: und bitte ich nochmalen um Verzeihung, daß Ihnen mit dem Inhalt, wieder eine Mühe aufgetragen, Dero besondere Gütigkeit, die mir aus allen Ihren Zeilen in die Augen leuchtet, und die begierde, in der Praxi Astronomica, von Ihnen zu profitiren, hat mich so dreustig gemacht, daß ich um erwehnte Instruction angehalten. Wenn Sie demnach wieder gesund werden, und ein übriges Viertel Stündchen, so geruhen Sie mich in den angeregten petitis, zum Behuf des unterhanden habenden astronomischen Werckes,[5] das auf Ostern herauskömt, zu contendiren, und die angetragene Manier, die longit. latitud. et declinationes macularum, mit ihrem momento transitus per axin, und den darzu gehörigen tabulis zu communiciren. Der Brief mag so dick werden als er will, so geben Sie ihn nur auf die Post, denn er kostet mich hier wenig oder gar nichts, weil mich mit dem Post Bediensten allhier, schon abzufinden weis. Der Herr von Wurtzelbau läßet inzwischen sein Compliment machen, und völlige Genesung, anwünschen; ist auch obligirt, daß Sie die Gütigkeit gehabt, die observat. eclips. ☽. der Societaet zu überreichen.[5] Es ist der Zeit sonst keine observation, von dieser Finsternis eingelauffen. Ubrigens empfehle mich zu Dero beharrlichen Affection, und verharre, nebst gehorsamsten Recommendation

 Ew. HochEdl.

  Nürnberg.
d. 26. Jan. 1718

gehorsamst verbundenster
diener

Joh. Leonhard Rost.


Fußnoten

  1. Methode zur Beobachtung der Sonnenflecken.
  2. Gerät zur Beobachtung der Sonnenflecken und -finsternissen.
  3. Hier steht eindeutig der 22. Dezember. Rosts letzter Brief ist aber auf den 21. Dezember datiert.
  4. Rosts hatte Gaupps Calendarium Astronomicum beigefügt.
  5. Rosts Handbuch kam 1718 bei Peter Conrad Monath in Nürnberg heraus.
  6. Wurzelbaus Beobachtung der Mondfinsternis vom 20. September 1717 findet sich in der Schriftenreihe der Berliner Akademie: Miscellanea Berolinensia ad incrementum scientiarum, Bd. II, 1723, S. 152-154.
    Vgl. dazu den Brief vom 8. Oktober 1717 an Kirch.